Splitter - Lyrik von Nico Wolf

(September 2002 - Dezember 2005)

Der Lyriker und Schauspieler Nico Wolf lebt in Würzburg. 
Hier für die ganz Neugierigen Gedichte zum Lesen: 


Teufelssee - Ballade 

Er

Höhenflug


Manuela machte ein Interview mit ihm, dass in der lesbischwulen Zeitschrift Die Andere Welt abgedruckt wurde.
Das Interview:

 

Nico Wolf – Romantik in der Jetzt-Zeit 

Der vielseitige Künstler Nico Wolf lebt in Würzburg und war dort schon in verschiedenen Theaterproduktionen zu sehen.
Aber nicht nur als Schauspieler ist Nico Wolf in der Würzburger Kunstszene bekannt geworden, er schreibt auch Gedichte, die er bei unterschiedlichen Lesungen vorgetragen hat.
Seine Gedichte berühren, als ob sie direkt aus der Seele sprechen.
Wir trafen Nico Wolf zum Gespräch.

M. W.: Seit wann schreibst Du?

N.W.: Mein erstes Gedicht habe ich vor fast vierzig Jahren geschrieben. Da war ich 23 und zum ersten Mal so richtig in einen Mann verliebt.

M. W.: Schreibst Du nur Gedichte oder auch Geschichten und Prosa etc.?

N.W.: Bis jetzt habe ich nur Gedichte geschrieben. Ein einziges Mal, glaube ich, Prosa. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich gerne ein Theaterstück schreiben. – Ideen hätte ich genug ...

M. W.:  Hast Du Deine Werke veröffentlicht?

N.W.:  Nein. Aber gelegentlich aus ihnen öffentlich gelesen.

M. W.: Die Gedichte, die ich von Dir kenne, sind sehr romantisch. Sind alle Werke von Dir romantischer Natur oder gibt es da verschiedene Entwicklungen?

N.W.: Ich würde sagen, die Mehrzahl hat romantische Grundtöne, gelegentlich auch melancholische, meistens aber positive. – Ich bin halt ein ‚unverbesserlicher’ Idealist. 

M. W.: Findest Du, dass die Romantik in der heutigen Zeit Raum findet? Oder ist es eher eine Flucht aus der Realität? 

N.W.: Eine nicht leicht zu beantwortende Frage. - Ich persönlich finde, dass Romantik zu allen Zeiten ihre Berechtigung hat. Sie ist eng mit der Sehnsucht des Menschen nach Vollkommenheit verbunden. – Erst recht in unserer materialistisch

geprägten westlichen Welt, denn: Je rauer der Wind um die Nase weht, desto größer der Wunsch nach ‚innerer  Geborgenheit’, ich meine nach Werten, an die man(n)/frau sich halten können. Mit ‚Flucht aus der Realität’ hat das nichts zu tun, eher etwas mit Ausgleich. In Zeiten, in denen - mehr oder weniger - alles auf ‚Ausbeutung’ zielt, bedarf es meiner Meinung nach (neben körperlichen) geistige und seelische Ressourcen, um genügend Kraft zum Widerstand (im Sinne von Durchhaltevermögen) zu besitzen. Dies um so mehr, nachdem die durchschnittliche (biologische) Lebensdauer eines Menschen in der westlichen Welt heute eine wesentlich längere als noch vor fünfzig oder hundert Jahren ist. Romantisches Denken und Fühlen kann – richtig verstanden, d. h., ohne ‚Bodenhaftung’ zu verlieren – nach meiner Überzeugung ‚Überlebenshilfe’ sein und die eigene ‚Lebensqualität’ verbessern.

M. W.:  Welche Bedeutung hat für Dich das Schreiben?

N.W.: Gedichte zu schreiben, ist mir Ventil. – Gefühle, glückliche wie deprimierende, an denen ich zu ‚ersticken’ meine, drängen mich dazu. Ich brauche es; zum Atmen.

M. W.: Wie würdest Du Deine künstlerische Entwicklung beschreiben?

N.W.: Schwierig. Anfangs war mein Stil sicherlich mehr ‚konventionell’. In der Zwischenzeit bin ich ‚mutiger’, deutlicher geworden, obwohl ich immer noch gerne in Bildern spreche und mit Worten, besser: mit Metaphern, ‚spiele’. Kennst Du den Film „Il postino“? Es gibt für mich kein besseres Beispiel für das was eine Metapher ist und was man(n)/frau mit ihr ausdrücken kann.

M. W.: Du bist nebenbei auch noch Schauspieler. Bist Du mehr im Theater oder im Film zu sehen?

N.W.: Nur im Theater. Für den Film bin ich (noch) nicht ‚entdeckt’ worden, werde es wohl auch nicht mehr werden. (Er lacht)

M. W.: Welche Richtung haben die Stücke, in denen Du mitspielst?

N.W.: Die Stücke, in denen ich bisher spielte, reichten von der Moderne („Das Schamhaar“ von Happel) über Dramen (Borcherts „Draußen vor der Tür“) bis zu Komödien („Das Haus in Montevideo“ von Goetz, „Sonny Boys“ von Simon). Sogenannte Klassiker (Schiller, Goethe, Shakespeare etc.) waren bisher noch nicht dabei, sieht man mal von „Leonce und Lena“ (allerdings in einer sehr modernen Fassung) ab. Ein erster Klassiker wird wahrscheinlich in diesem Sommer Molieres „Der Geizige“ sein. – Ich achte darauf, dass ich vielseitig bleibe, lasse mich ungern auf einen bestimmten Rollentypus festlegen, will Vieles ausprobieren und suche nach Rollen, die ‚Brechungen’ in der Figur besitzen oder erlauben, sie zu ‚brechen’.

M. W.: Spielst Du auch in Stücken die inhaltlich im schwul-lesbischen Bereich angesiedelt sind?

N.W.: Bisher noch nicht. Aber in diesem Winter ist „Unter der Treppe“ von Charles Dyer mit mir (als Charles) geplant. Darauf freue ich mich außerordentlich. Ich glaube, dass dieses Stück das Menschlich-Allzumenschliche in einer langjährigen Beziehung, und zwar über die Grenzen dieser mehr als dreißig Jahre alten ‚Homosexuellen-Beziehungskiste’ hinweg, exemplarisch deutlich macht. Möglicherweise hat es - mit Blick auf die nunmehr gesetzlich sanktionierten Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare - an anderer, neuer Aktualität gewonnen. – Das herauszufinden, reizt mich sehr.

M. W.: Welche Rollen würdest Du am liebsten spielen?

N.W.: Ach, da gibt es noch so unendlich viele! Um nur einige, die mir gerade einfallen zu nennen: Voigt im „Hauptmann von Köpenick“, Clausen in „Vor Sonnenuntergang“, George in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, Bolingbroke in „Das Glas Wasser“, Big Daddy in „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ und, und, und ...

M. W.: Wo werden die Stücke aufgeführt, bzw. sind sie aufgeführt worden?

N.W.: In Würzburg. Gelegentliche Gastspiele gab es auch in Köln und Gerlingen – demnächst vielleicht auch in Berlin?

M. W.: Gibt es bei Euch in Würzburg kulturelle Förderungen für KünstlerInnen, die nicht im kommerziellen Bereich angesiedelt sind?

N.W.: Aber ja. Wir haben mehrere sogenannter Off-Bühnen, bei denen der finanzielle Gewinn nicht im Vordergrund steht und die sowohl von der Stadt als auch (teilweise) durch den Bezirk und/oder den Freistaat durch Zuschüsse gefördert werden. Sonst könnten manche von ihnen nicht überleben und damit die kulturelle Szene so ‚bunt’ machen.

M. W.: Wie ist die Kunstszene bei Euch? Gibt es da thematische Zusammenhänge, wie zum Beispiel eine eigene Homo-Kunstszene? Oder ist es eher gemischt?

N.W.: Eine eigene „Homo-Kunstszene“ in diesem Sinne gibt es nicht, was ich auch nicht für erforderlich halte. Allerdings findet alljährlich in Würzburg die – über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte –„Schwul-lesbischen Filmwoche“ statt. Letzthin sogar, wenn mich nicht alles täuscht, unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters.

M. W.: Gibt es da Unterstützung innerhalb der Szene oder steht jedeR alleine da?

N.W.: Für diese Veranstaltung gibt es innerhalb der „Szene“ Unterstützung, ansonsten sieht es diesbezüglich wohl eher ‚dürftig’ aus.

M. W.: Wie sieht es mit Räumen aus für Aufführungen, Ausstellungen etc. für die Szene – gibt es da eigene Freiräume?

N.W.: Soweit ich weiß, steht die Evangelische Hochschulgemeinde, der „Szene“ sehr offen und hilfsbereit gegenüber. Andere Einrichtungen, die über geeignete Räume verfügen, sind mir in diesem Zusammenhang bisher noch nicht so ‚positiv ins Auge gefallen’.

M. W.: Was machst Du beruflich bzw. kannst Du von deiner Kunst leben?

N.W.: Nein, von meiner ‚Kunst’ (weder von der Schauspielerei, noch vom Schreiben) könnte ich nicht leben. In meinem ‚bürgerlichen Leben’ bin ich selbständiger Dienstleister (Consulting).

M. W.: Wie kannst Du Kunst und Alltag miteinander verbinden?

N.W.: Da ich von meiner ‚Kunst’ nicht leben muß, habe ich die freie Wahl, zu tun und zu lassen, was immer ich mag. Und das ist ideal!

M. W.: Ich bedanke mich für dieses Gespräch. 

Manuela Wehrle

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